2. Traditionelles Internationales Film Dinner

 

Sicher erinnern sich die geneigten Leser noch an den Kartoffelschäler, der vor einem Jahr in Begleitung der charmanten Regisseurin Dierdre Lynch den weiten Weg vom fernen Amerika in den Küchenfundus des Akademischen Ruderclubs Würzburg angetreten hat. Aber dazu kommen wir später noch ...

Nun, in meinem Bericht vom letzten Jahr habe ich den "fast schon traditionellen St.-Kilians-Film für das Filmwochenende" erwähnt. Das "fast" kann man guten Gewissens streichen, denn Owen hat sich in diesem Jahr selbst übertroffen und gleich zwei Filme organisiert. Irland ist inzwischen zu einer festen Größe des Festivals geworden. Bei beiden Filmen waren die Regisseure zur anschließenden Diskussion anwesend, und beide Filme, so unterschiedlich sie waren, haben einen ganz direkten Blick auf Facetten der grünen Insel ermöglicht:

"Battle of the Bogside" des Regisseurs Vinnie Cunningham hat mit eindrucksvollen Originalaufnahmen und aktuellen Interviews beteiligter Personen die Unruhen von 1969 im Stadtviertel Bogside in Derry dargestellt, die letztlich zur Stationierung britischer Truppen in Nordirland geführt haben.

Musik ist das Thema des Films "The Saw Doctors – a different kind of world", und Musik ist das Leben der Saw Doctors aus Tuam, die seit Jahren zwischen Kneipe und Konzertsaal, zwischen Clare Island und Amerika ihre Lieder spielen. "Erfolg hast Du, wenn jemand in einem Pub eines Deiner Lieder singt." – Dieses Erfolgserlebnis hatten die Saw Doctors sicher schon lange, aber gerade der starke Bezug zu den local roots – zum Pub um die Ecke, zum Fischen auf Lough Corrib, zum Fußballspielen am Strand von Mayo – macht das Besondere dieser Band aus. Das scheint auch den Regisseur Steven Lock beeindruckt zu haben, ist er doch schließlich aus seiner Heimat London nach Irland ausgewandert.

Aber zurück zum Thema: Bereits Wochen vor den großen Ereignissen sind die E-Mail-Drähte heiß gelaufen, und Verabredungen zwischen der Neuen Welt und der Alten Welt haben schließlich dazu geführt, daß das – inzwischen natürlich auch längst traditionelle – 2. Film Dinner im ARCW (www.arcw.de) wieder ein voller Erfolg war. Liebgewonnene Gäste des letzten Jahres und neugierige Erstteilnehmer haben wieder für eine illustre Runde gesorgt, die am Montag nach dem Filmfestival (hat mich übrigens mein Eindruck getäuscht, daß die Verabredungen mehr dem Film-Dinner galten als dem Festival?) einen würdigen Höhepunkt zelebriert hat. Die Regieanweisungen des Nicht-Regisseurs John für die Sitzordnung ("Paddy – German – Paddy – German!") haben eine amüsante Tischgesellschaft ergeben, deren Äußerungen, auch wenn sie an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden sollen, nichts hinzuzufügen war. Zur Herstellung des opulenten Menüs trat der bereits eingangs erwähnte Kartoffelschäler beeindruckend in Aktion, überwacht von seiner Spenderin Dierdre. Und wenn der nach dem Dessert erklungene Gesang vielleicht zeitweise etwas verbesserungsfähig war, so haben wir doch die Zusicherung unserer irischen Freunde, bis zum nächsten Mal ernsthaft zu üben ...

Wenn auch dieses Mal keine Preisverleihung zu feiern war, so doch vielleicht die Tatsache, daß Dierdres Film "Photos to Send" jetzt in den Kinos in Ochsenfurt, Bamberg und Lich zu sehen sein wird. Und das war es ja, worauf wir im letzten Jahr gehofft hatten, oder?

Matthias Fleckenstein